Über Geld spricht man nicht

Die eigenen Finanzen sind noch immer ein Tabuthema. Ich möchte mit diesem einmal brechen und einen Einblick in die Einnahmen und Ausgaben des letzten Jahres geben.

Mit dem Gedanken, einen Einblick in Zahlen meiner Selbständigkeit zu gewähren, spiele ich schon etwas länger. Wenn man mit anderen über solche Pläne spricht, lassen sich die meisten Reaktionen irgendwo zwischen Erstaunen und Empörung einordnen. Denn „über Geld spricht man nicht“.

Und das ist schade. Denn gerade zu beginn meiner Selbständigkeit hätte ich, auf der Suche nach einer Vorstellung, was so eine Selbständigkeit eigentlich abwerfen kann, gerne konkretere Anhaltspunkte als Honorarlisten und allgemeine Artikel zum Thema Stundensatz gehabt. Und auch wenn die Situation bei jedem eine etwas andere ist, glaube ich, dass ein Blick in echte Bücher helfen kann, sich ein realistischeres Bild zu verschaffen. Und so habe ich mich, den eigenen Bedenken zum Trotz, zu diesem Schritt entschieden.

Einnahmen 2012

Kommen wir also zum spannenden Teil...

Art der Einnahme Betrag
Konzeption & Beratung: 56.264,01 €
Realisierung: Design und Frontend 12.218,28 €
Aufwände für Reisen und Übernachtung: 3.353,49 €
Laufende Betreuung: 2.800,00 €
Sonstige Einnahmen: Projektauslagen, weiterberechnete Lizenzkosten, Provisionen 1.685,09 €
Summe der Einnahmen: 76.320,87 €

So sieht es also aus. Würde man nun alle Einnahmen (abzüglich der Reisekosten und Auslagen) auf meinen 2012 veranschlagten Stundensatz von 65 € umlegen, käme man bei 220 Arbeitstagen auf eine Auslastung von etwa 62 %. Aber...

  1. Spiegelt das natürlich nur die abrechenbaren Aufwände wieder. Zeiten, in denen ich Angebote und Rechnungen schreibe, generelle Papierarbeit erledige oder Erstgespräche mit Kunden führe, müssen hier mit eingerechnet werden.

  2. Weiterbildungen, wie das Besuchen von Konferenzen oder das tägliche Lesen von Artikeln, wofür in gesunden Festanstellungen bezahlte Arbeitszeit zur Verfügung steht, sind bei einem Selbständigen grundsätzlich unbezahlte Zeiten.

  3. Zudem hatte ich im vergangenen Jahr einige langfristige Zusammenarbeiten auf Basis eines verringerten Stundensatzes.

Die reale Auslastung durch Kundenprojekte wird daher ein paar Punkte über den 62 % liegen.

Ausgaben 2012

Keine Einnahmen ohne Kosten:

Art der Ausgabe Betrag
Private Rentenvorsorge: 4.258,44 €
Private Krankenversicherung: 3.111,48 €
Mietanteil Home Office: 2.142,00 €
Technische Anschaffungen: 3.667,22 €
Reisen & Hotels: 1.954,55 €
Steuerberatung: 1.965,00 €
Telefon & Internet: 916,97 €
Sonstige Ausgaben: 1.160,95 €
Summe der Ausgaben: 19.176,61 €

Auch hierzu noch ein paar Worte:

  1. Die private Kranken- und Rentenversicherung beziffert rein die gezahlten Beiträge ohne Berücksichtigung der steuerlichen Absetzbarkeit und von staatlichen Förderungen.

  2. Die größten Posten unter Technische Anschaffungen sind mein MacBook Air (1208,99 €), meine Fuji X100 (698,24 €) und mein iPad mini (410,91 €). Neben 217,99 € für Audiohardware, fasst die Kategorie vor allem kleinere Anschaffungen im zweistelligen Bereich.

  3. In Reisen & Hotels machen Bahntickets den größten Teil des Kuchens aus. Da ich 2012 noch meinen Privatwagen für geschäftliche Fahrten genutzt und diese dann nach der Entfernungspauschale abgerechnet habe, kommt zu den Fahrtkosten noch ein großer Teil privater Ausgaben hinzu.

  4. Die Kategorie Steuerberatung fasst die Aufwände für die monatliche Umsatzsteuervoranmeldung sowie die Jahressteuererklärung 2010.

  5. Telefonie & Internet ist, neben meiner Handyrechnung und die Anteilig genutzte VDSL-Leitung im Home Office, mein seit Mitte des Jahres genutzter VoIP-Anschluss.

Wie man das zu deuten hat

Die Einnahmen abzüglich meiner Ausgaben betragen also 57.144,26 €. In einer perfekten Welt könnte man diesen Betrag nun nehmen, die Gewerbe- und Einkommensteuer abziehen und hätte den Nettoverdienst. Zwischen unserer und der perfekten Welt liegt jedoch noch das Steuerrecht.

Die meisten Ausgaben werden dem Jahr angerechnet, in dem sie getätigt wurden. Einige – prinzipiell eher die größeren – werden über mehrere Jahre anteilig abgesetzt und fließen auch erst dann in die Einkommensteuererklärung mit ein. Zudem habe ich für diese Aufstellung eine vereinfachte Analyse anhand der gestellten Rechnungen und gesammelten Belege mit Rechnungsdatum 2012 gemacht. Auch das wird steuerrechtlich etwas anders gehandhabt.

Fazit

Es lassen sich also nicht ohne weiteres einfach beide Seiten gegeneinander aufrechnen. Aber das war auch nicht das Ziel. Ich hoffe vielmehr, anderen ein konkreteres Bild davon vermitteln zu können, wie die Einnahmen und Ausgaben eines selbständigen Webschaffenden so aussehen können.

Selbst wenn ich weder ein Printmagazin herausbringe, noch webbasierte Software vertreibe, haben die Einblicke von Kai, Maciej und Julia und Sebastian (bei denen ich mich auch des Titels bediente) immer ein Stückchen weiter gebracht. Vielleicht geht es anderen mit meinem Einblick ja ähnlich. Und ansonsten bleibt das (nicht ganz unspannende) Experiment, was eigentlich so passiert, wenn man einfach mal seine Finanzen offenlegt.

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